insideDaily 15/18
Die Turns
Ok, jetzt fragt sich sicher der ein oder andere, warum so etwas banales wie "Turns" hier zum Thema werden kann. Immerhin hat jede Verbindung zwischen zwei Geraden im Oval doch genau 2 Turns. Oder doch nicht?
Natürlich stimmt das so nicht. Es gibt immerhin auch noch Strecken wie Indianapolis oder Pocono. Aber damit soll jetzt nicht verwirrt werden. Viel mehr besteht das Problem darin, dass für die Streckenbezeichnung ein 'normales' Oval aus 4 Turns besteht. Für die Teams sieht das in echt allerdings anders aus. In der Regel haben 2 aneinander gereihte Turns in der Telemetrie meist zwischen 5 und 8 unterschiedliche Phasen.
Während der Fahrer dennoch eher bei einfacheren Bezeichnungen bleibt, um das Verhalten des Wagens an einer speziellen Stelle zu beschreiben, geht man bei den Setups da schon mehr ins Detail. Wir beschränken uns daher mal auf die gebräuchliche Methode mit 'nur' 5 Phasen für 2 aneinander gereihte Turns.
Den Anfang macht dabei 'Phase 1 Entry'. Dieser Abschnitt beschreibt dabei den Einlenkpunkt, das Erhöhen der Bremskraft und Erhöhen des Lenkwinkels.
Dem ganzen folgt natürlich 'Phase 2 Entry'. In dieser Phase geht man wieder leicht von der Bremse runter, erhöht aber noch weiter den Lenkwinkel, um den Wagen den richtigen Impuls zum drehen zu geben.
Diese Phase endet dort, wo die 'Phase 3A Entry' beginnt. Das ist der Bereich, der kurz vor dem Scheitelpunkt (Apex) beginnt und genau mit diesem auch endet. Dabei wird bis zum Apex der Lenkwinkel weiter gesteigert, wenn auch nur minimal. Die Geschwindigkeit ist jedoch konstant
Es folgt logischer Weise die 'Phase 3B Exit', die nun direkt mit dem Scheitelpunkt beginnt. Es wird also die Lenkung wieder leicht auf gemacht, während das Tempo weiter konstant bleibt.
Mit der 'Phase 4 Exit' ist der komplette Bereich abgedeckt, in dem man stetig das Gaspedal weiter Richtung 'Full Throttle' durch drückt und zugleich die Lenkung möglichst komplett öffnet.
Warum macht man nun eine solche komplizierte Unterteilung? Was soll die Quintessenz für euch sein? Der Anwendungsbereich ist recht simpel, da in jeder Phase sich Gaspedal, Bremspedal und Lenkwinkel unterscheiden und so die Balance des Autos geändert wird. Je nachdem, wie sich also das Fahrzeug in den einzelnen Phasen verhält, kann man nun das Setup an die eigenen Wünsche anpassen. Allerdings gibt es hier auch eine Wechselwirkung zwischen den Einstellungen und den Phasen. So wirkt eine Erhöhung des Right Rear Rebounds so, dass der Wagen in 'Phase 3B Exit' looser wird, dafür wird er aber zugleich in 'Phase 3A Entry' und ggf. sogar in 'Phase 2 Entry' tighter. Es ist über die Bump und Rebound Einstellungen des Wagens jedoch unerlässlich sich so die Aufhängung des Fahrzeugs auf die eigenen Bedürfnisse einzustellen.
Je mehr man jetzt die Turns in die Phasen einteilt, desto präziser kann man auch das Fahrwerk anpassen. Dies bedeutet aber auch zugleich deutlich mehr Aufwand, um die Qualität des eigenen Setups zu steigern.