insideDaily 77/18Pitstop - Pit Strategie
Heute beschäftigen wir uns mal mit dem Namen der Rubrik ziemlich genau. Dass man natürlich sehr gut in seinem Pit Stall stehen muss, um einen schnellen Pitstop zu haben, wird jetzt aber nicht zum Thema. Viel mehr gucken wir was denn eigentlich eine gute Strategie im Oval aus macht.
Grundsätzlich erkennt man recht häufig zwei Extreme, die leider nur selten zum Erfolg führen. Es macht dabei genauso oft keinen Sinn das Rennen in viel zu viele Stints zu teilen, wie zu wenige. Natürlich hat man mit mehr Stops auch frischere Reifen und ein schnelleres Auto und ebenso hat man mit weniger Stops auch weniger Zeit durch in der Pitlane verloren. Ideal ist aber beides nicht.
Ebenso ist es ziemlich sinnfrei in gewissen Situationen kein Rudeltier zu sein und nicht mit dem Feld unter gelb zu pitten. Falls man noch mindestens einmal an die Pits muss, so ist lohnt es sich nicht unter gelb auf der Strecke zu bleiben. Natürlich kommt man sehr weit nach vorne, aber man hat schlechtere Reifen und verliert ab dem ersten Meter Zeit. Zudem gibt es keine Bonuspunkte für eine Leadlap mehr und je nach Strecke liegt man nach fünf Minuten weiter hinten, als es mit einem Boxenstop synchron zum Feld der Fall wäre. Kurzum: Geht das Feld pitten und man hat weniger Sprit, als man bis ins Ziel braucht, dann kann der Pitstop nicht schaden.
Die eigentliche Strategie hat damit aber wenig zu tun. Natürlich kann man ein Tool nutzen, aber die richtigen Stints kann man sich auch ausrechnen. Dazu fährt man am Besten 10-15 Runden auf einer Strecke und schaut dabei, wie viel Sprit man dabei ab dem ersten Überqueren der Ziellinie bis zum Ende verbraucht hat. Danach kann man sich einen Durchschnitt errechnen, mit dem man anhand des 18.7 Gallonen großen Tanks ausrechnen kann, wie viele Runden maximal möglich sind. Wie man allein daran erkennt, sollte man die 'estimated laps' von iRacing direkt mit schwarzem Tape überkleben. Einzig in den letzten Runden ist diese Anzeige zuverlässig. Vorher eher unsinnig.
Als nächstes braucht man einen möglichst sauberen Stint, in dem man die Reichweite des Tanks ausreizt. Anhand der einzelnen Rundenzeiten sieht man nun gut den Drop-Off. Wenn man nun die Renndauer auf zwei bis fünf Stints aufteilt (mehr oder weniger sollten wohl nicht vor kommen), kann man anhand der Zeiten aus dem vollen Stint die reine Fahrzeit, die man mit dieser Strategie braucht, ausrechnen. Man sollte dabei aber nicht die Zeit vergessen, die man zusätzlich bei jedem Pitstop (mit Pit-In und Pit-Out) verbraucht. Da man mit mehr Pitstop auch öfter die überholen muss, die weniger Pitstops haben, kann man hier gleich noch ein paar Sekunden mehr hinzurechnen. Hat man nun je Strategie die einzelnen Zeiten der Stints auf das Rennen hoch gerechnet und jedes Mal die zusätzlich benötigte Zeit dazu addiert, hat man für jede Strategie die Gesamtzeit ausgerechnet. Man erkennt damit klar, welche Strategie sinnvoll ist.
Bei Cautions muss man natürlich eine solche Rechnung anpassen, um die neue beste Strategie zu finden. Und natürlich sind das nur Werte, die bei einer reibungslosen Fahrt stimmen. Je nach Rennverlauf und Verkehr, können auch verkürzte oder verlängerte Stints einen Vorteil bringen.
Das Beispiel stammt vom Class C Rennen in Phoenix. Oben: Strategie vor dem Rennen. Drei Stops sind schneller, aber durch das Überholen scheint zwei Stops (8.5 Sekunden langsamer) sinnvoller zu sein. Unten: Strategie nach dem letzten Restart. Idealer Pit wäre in L106 gewesen, die Spitze hat aber bereits um L100 gepittet, so dass man hier mit L106 Zeit verloren hätte.